Haben CMOs und Marketing keine Zukunft?

Inken Kuhlmann-Rhinow über KI-Upskilling, die B Corp-Zertifizierung und die Zukunft von Marketing.

Inken Kuhlmann-Rhinow, CMO von Brevo

Themen in Ausgabe #15

Heute teile ich meine Erkenntnisse und Gedanken zu meinem ausführlichen Gespräch mit Inken Kuhlmann-Rhinow, seit kurzem CMO und GM Self-Serve von Brevo.

Ich weiß, das ist der dritte Show-Recap hintereinander. Ich habe dir versprochen, dass mein Newsletter und Blog regelmäßig Behind-the-Scenes-Einblicke liefern. Gerade kämpfe ich aber hart mit meiner Work-Vacation-Balance. Und genau dazu und zur Videoproduktion gibt es bald mehr!

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Hier findest du die komplette Video-Episode mit Inken Kuhlmann-Rhinow auf Spotify, YouTube oder Apple Podcasts.

Schafft sich Inken Kuhlmann-Rhinow selbst ab?

Was passiert, wenn ein CEO drei Wochen vor ihrem Amtsantritt seiner neuen CMO sagt: „Ich möchte die ganze Firma umstrukturieren – und du übernimmst zusätzlich das komplette Self-Serve-Business mit eigener P&L (Gewinn & Verlustrechnung)“?

Genau das ist Inken Kuhlmann-Rhinow bei Brevo passiert. Die Mehrfachrolle zeigt, wie radikal sich Marketing gerade wandelt. Führungskräfte sollten das Interview anschauen oder hier weiterlesen.

Die neue Rolle von Marketing und CMOs

Die vielleicht radikalste These des Gesprächs: Der klassische CMO als reine Kostenstelle hat keine Zukunft. Inken verweist auf Notion, wo die CMO-Rolle komplett aufgelöst und Marketing 50/50 auf Produkt und Sales verteilt wurde. Brevo ist den umgekehrten Weg gegangen: Die Chief Marketing Officerin bekommt Produkt und Engineering dazu. Und nicht nur das: Inken ist für die Tragfähigkeit des Self-Serve-Business verantwortlich. Es reicht nicht, Leads und Sign-ups abzuliefern – es müssen nachhaltig zahlende Kund:innen sein!

Inkens Warnung an Marketing-Führungskräfte: „Wenn du nicht messbar machst, welchen Revenue-Impact dein Team hat, wirst du in der nächsten Krise als Erstes gestrichen. Das habe ich zu oft gesehen.“

Aber keine Sorge: Marketing-Teams werden nicht zu Vertriebsteams. Im Gegenteil. Der Job wird vielseitiger, denn Unternehmen sollten zu Media Companies werden. Das heißt: Spannende Geschichten über so viele Kanäle wie nie zuvor erzählen. Eigene Kanäle, aber auch externe. Denn wer in Zeiten von KI-Chats noch gesehen werden möchte, sollte viele Erwähnungen der eigenen Marke und ihrer Produkte anstreben.

Im Marketing werden also Top-Conversion-Optimierer:innen genauso gebraucht wie Journalist:innen und ausgezeichnete Storyteller:innen.

Ich denke, dass es bei der Struktur nicht die eine perfekte Lösung gibt. Fakt ist aber, dass Marketer mehr Verantwortung für den Revenue-Impact übernehmen müssen, bevor Budgets oder Marketing-Rollen nicht mehr zu rechtfertigen sind.

KI im Marketing-Leadership: Inken baut ihr „zweites Gehirn“

Inken hat sich in den letzten Monaten abends mit ihrem Mann (Software-Entwickler) zusammengesetzt, um die Möglichkeiten von KI auszuloten. Nicht, weil sie Entwicklerin werden wollte, sondern weil sie als Führungskraft wissen musste, was technisch möglich ist – und was nicht.

Ihr Learning: „Du musst verstehen, wann etwas wirklich programmiert sein muss und wann ein KI-Skill reicht. Sonst halluziniert dein KI-Agent zum Beispiel im Paid-Marketing und gibt Geld aus, das du nicht ausgeben wolltest. Hier möchtest du klare Ja-Nein-Regeln.“

Sie stellt dem Team einen „KI-Techniker" zur Seite, einen Marketer mit Entwickler-Skills, der beim Automatisieren von repetitiven Aufgaben hilft. So bleibt mehr Zeit für kreative Aufgaben und neue Kampagnen-Ideen.

Inken überblickt nun viele verschiedene Teams in unterschiedlichen Bereichen. Mit KI, die alle Gespräche, Dokumente usw. übersichtlich aufbereitet, kann sie in Kontexten switchen. Diese Zusammenführung ist ihr Second Brain, die ohne künstliche Intelligenz nicht umsetzbar wäre.

KI im Marketing: KI-Skills vs. KI-Agents und die 5-Token-Frage

KI-Kompetenz fängt damit an, dass man zwischen den Begriffen und ihren Funktionen unterscheiden kann. Inken nutzt KI-Skills, die sie als „Rezepte“ sieht. Ein einfaches Beispiel ist ein Space, der angereichert um Dokumente den eigenen Schreibstil kennt und gewisse Vorgaben beim Texten einhält.

KI-Agent hingegen sind eher wie ein „Koch“, der verschiedene Skills kombiniert und eine Reihe von Aufgaben erledigt. KI-Agenten handeln autonomer, aber damit auch mit unkontrollierbareren Ergebnissen.

Der ganze KI-Wahn führt zu exzessiver KI-Nutzung, die sehr oft ineffizient bis hin zu kompletten Blödsinn führt. Inken stellt daher ihrem Team die Frage: „Stell dir vor, du hast nur fünf Tokens. Was würdest du wirklich bauen?“ Ein guter Ansatz, denn die gefühlt unendlichen Möglichkeiten führen in meinen Augen zu KI-Nutzung als Selbstzweck. Verknappung hilft, kreativ zu denken und KI sinnstiftend einzusetzen. KI soll die Execution beschleunigen, nicht die Kreativität ersetzen.

Sind 1 Milliarde Euro ARR und positiver Social Impact vereinbar?

Brevo ist die erste All-in-One-Marketing-Plattform mit B-Corp-Zertifizierung. Mit 130,5 von 200 möglichen Punkten, weit über dem Mindestwert von 80 und mehr als doppelt so hoch wie der Median aller Unternehmen (50,9). Der Prozess dauerte drei Jahre und betraf alle Bereiche: Gehälter, ökologischer Impact, Benefits, globale Standortgleichstellung.

Brevo erzielte bei der B-Corp-Zertifizierung eine Punktzahl von 130,5 Punkten.
Brevo durchlief die B-Corp-Zertifizierung. Quelle: Brevo

B Corp vs. Unicorn: Clash mit Ansage?

Brevo hat im Dezember 2025 ein Investment von 500 Millionen Euro erhalten und ist damit offiziell Unicorn. Ich frage mich: Kann das gut gehen? Lassen sich ambitionierte Wachstumsziele und soziale Verantwortung vereinbaren?

Inken sieht keinen Widerspruch: „Es ist ein anderer Grundgedanke. Wir hosten unsere Daten zum Beispiel bewusst bei OVH statt bei AWS – teurer, komplexer, aber europäisch. Das hindert uns nicht am Wachstum, es ist einfach eine andere Art der Lösungsfindung.“

Ihre ehrliche Einschätzung zur B-Corp-Wirkung im Marketing: „Es ist mehr für uns intern als für die Kunden. Das Bewusstsein ist noch nicht so weit, aber wir arbeiten an der Aufklärung.“

Meine Meinung: Während einige US-amerikanische Konzerne Diversitäts- und Klimaprogramme als Ablenkung bezeichnen und abschaffen, sieht Brevo darin eine Chance. Ich denke, dass ein werteorientiertes europäisches Tech-Unternehmen von Brevos Größe und Finanzkraft nicht nur eine positive Auswirkung auf das eigene Team hat, sondern das gesamte europäische Tech-Ökosystem beeinflussen kann.

Fazit

Was denkst du: Ist ein B-Corp-Zertifikat netter Marketing-Firlefanz oder Gamechanger? Braucht es den CMO-Titel noch, oder ist die Verschmelzung von Marketing, Produkt und Sales der logische nächste Schritt? Antworte einfach auf diese E-Mail. Ich lese jede Rückmeldung. Du kannst auch im Blog oder unter meinem LinkedIn-Post kommentieren.

Bis dann und bleib souverän

Ben

PS: Hier findest du die komplette Video-Episode mit Inken Kuhlmann-Rhinow auf Spotify, YouTube oder Apple Podcasts.


Jetzt noch Plätze für meine KI-Keynote auf dem COBUS Forum ergattern!

Ben Harmanus als Keynote Speaker auf dem COBUS Forum 2026 in Bünde.

Ich möchte das Business-Ökosystem in Europa, insbesondere den Mittelstand in der DACH-Region stärken. Deswegen freut es mich sehr, auf dem COBUS Forum in Bünde die Opening Keynote zu halten.

Die Keynote widmet sich dem KI-Hype und bietet Folgendes:

  • KI-Übersicht: Jobmarkt, China vs. Europa vs. USA, KI-Investitionen
  • Greifbare Anwendungsfälle aus dem C-Level, meiner Zeit im Tech-Konzern und meinem Media-Unternehmen Spreedia
  • Tipps, wie Unternehmen und Mitarbeitende in KI-fit werden

Unter dem Motto create. connect. involve wird das COBUS Forum in der alten Mühle in Bünde am 10. September 2026 zum Treffpunkt für digitale Vordenker, Zukunftsgestalter und starke Netzwerke.

Bis dann und bleibe souverän!

Ben


Petitionen, die du unterstützen kannst

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Über die britische Parlamentsabgeordnete Jess Asato und Millionen anderer weltweit werden Vergewaltigungsphantasien auf X (Twitter) KI-generiert und verbreitet. Deshalb klagt Asato gegen Elon Musk wegen seines KI-Deepfake-Tools Grok, das es Tätern ermöglicht, solche Videos zu erstellen. Lass uns jetzt 500.000 Unterschriften erreichen, um ihr im Kampf David gegen Goliath beizustehen.

Fundstücke im Web

👁️ Pläne der Valley-Milliardäre: Alberne Ideen, die man ernst nehmen sollte. (Handelsblatt)
👊 Historische Niederlage für Meta: Richter ordnet Zahlung von 814 Millionen Euro an und verlangt drastische Änderungen von Apps (Mein LinkedIn-Post)
🎵 Verdächtige User:innen: Spotify führt Kennzeichnung für KI-generierte Profile ein (Spiegel)
🛡️Chef des „Deutsche Journalisten-Verband“ fordert: „Die Öffentlich-Rechtlichen müssen ihre Resilienz gegen die AfD stärken“ (kress)

🎧
On a hill, under a raven sky
I have no idea exactly what I've drawn
Some kind of change, some kind of spinning away
With every single line moving further out in time

Mein heutiger Song ist „Spinning Away“ von Brian Eno und John Cale. Ab jetzt in der Values & Ventures Playlist auf Spotify.

Eventkalender

📅 Kalender: Digitale Souveränität & Nachhaltigkeit
13.-14.04.2027 data:unplugged | Münster

📅 Kalender: Startups & Entrepreneurship
15.09.2026 Startups for Tomorrow | München
28.-30.09.2026 Bits & Pretzels | München
17.-18.10.2026 Entrepreneurship Summit 2026 | Berlin

📅 Kalender: Mixed
23.-24.09.2026 DMEXCO | Köln
17.-18.02.2027 E-Commerce Berlin Expo 2027 | Berlin
03.-05.05.2027 OMR Festival | Hamburg

📅 Wo ihr mich definitiv trefft:
26.-30.08.2026 gamescom | Köln
10.09.2026 COBUS Forum | Bünde (Opening Keynote) 👀
29.10.2026 VideoDays Festival | Köln (Masterclass)

Fehlt ein wichtiges Event? Lass es mich wissen.

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Values & Ventures ist ein Projekt von Spreedia. Die Interview-Show mit Ben Harmanus ist gestartet. Wenn dir dieser Newsletter gefällt, teile ihn mit Menschen, denen er nützt.