Gute Nachrichten als Teil meiner Content-Strategie
Warum positive News auf LinkedIn funktionieren und was ich aus zwei Sport-Posts, einem Analytics-Bug und von Victor Haisch lernte.
Ausgabe #22
Gute Nachrichten sind eine Reichweitenstrategie ohne Eigenwerbung
Im Feed ist Empörung die Standardwährung: Rage Bait, Clickbait, Polarisierung, starke Vereinfachungen und Untergangsstimmung. Ich habe einen anderen Ansatz getestet. Ich erzähle Geschichten, die Energie geben. Ohne erzwungenen Plot Twist zu meiner Expertise. Das Ergebnis: Menschen außerhalb meiner Blase fühlen sich besser und starten eine Konversation mit mir.
Warum ich auf positive News setze
Ich habe zwei LinkedIn-Videos über erfolgreiche deutsche Sportler veröffentlicht. Dahinter stehen ein inhaltliches und ein strategisches Motiv.
Inhaltlich geht es mir um positiven Patriotismus. In Deutschland reden wir uns oft schlecht. Eine Krise im Fußball gilt schnell als Spiegelbild des ganzen Landes, als Benchmark dafür, ob wir noch wer sind. Das halte ich für einen Fehler und für verschwendete Energie. Ich will Aufbruchsstimmung, Selbstbewusstsein und ein positives Gemeinschaftsgefühl fördern.
Strategisch ist mir der Standort Deutschland wichtig, und das gehört zu meiner Positionierung. Sport-Content spricht viele Menschen an, die nicht den ganzen Tag etwas über Medienstrategie oder KI lesen möchten. Deshalb haben diese Videos und Bilder die Chance, weit über meine eigene Bubble hinauszugehen.
LinkedIn-Post 1: Larissa Eifler und die Fecht-WM
Der erste Post feiert Larissa Eifler. Die Außenseiterin holte in Hongkong das erste deutsche Einzelgold bei einer Fecht-WM seit 16 Jahren. Im Finale drehte sie einen 1:6-Rückstand in ein 15:10. Sie stand nicht unter den ersten 30 der Weltrangliste und schaltete schon im Achtelfinale Olympiasiegerin Manon Apithy aus.
Ich hätte daraus einen Mindset-Post über Resilienz machen können. Die können aber extrem cringe sein und zudem ging es mir um etwas anderes: Ein einzelner Erfolg ist noch kein Gegenbeweis zum Dauerton „Es geht bergab“, aber zusammen mit den Basketballern, den aktuellen Europa- und Weltmeistern, ergibt sich ein Muster. Unsere Dominanz verschiebt sich vielleicht nur, vom Fußball zum Basketball oder Fechten.
Mein Fazit im Post: Wir können alles, aber zuerst müssen wir daran glauben.
LinkedIn-Post 2: Alexander Zverev und das Muster
Der zweite Post hat einen Aufhänger mit Humor: Zverev gewinnt die US Open und merkt es als Letzter im Stadion. Er ist nach Boris Becker 1989 der zweite Deutsche, der das Turnier im Einzel gewinnt.
Der Post wiederholt bewusst die Kernbotschaft und verknüpft die Erfolge zu einer Erzählung: Eifler, Basketball und jetzt Tennis. Aus Einzelmeldungen wird ein Trend, und der Zverev-Sieg wird zum nächsten Beweis. Ich war bei der Frauen-Basketball-WM live dabei. Das zeigt: Ich rede nicht nur drüber. Ich bin live dabei, wenn unsere deutschen Sportler:innen alles für Deutschland geben. Keine Werbung für meine fachliche Expertise, sondern Personal Branding, das auf meine Persönlichkeit einzahlt.

Der LinkedIn-Bug als zweite Geschichte
Das zweite Video mit Zverev hatte zunächst auffällig wenige Impressions. Die LinkedIn Analytics zeigten sogar mehr erreichte Mitglieder (14.570) als Impressions (1.026). Das ist logisch unmöglich, es sei denn, 14 LinkedIn-Mitglieder stehen gemeinsam vor einem Bildschirm. 😄
Ich schickte einen Screenshot an LinkedIn-Experte Franz Wegner. Er vermutete einen Bug, und später stiegen die Zahlen tatsächlich auf über 30.000 Impressions. Daraus habe ich einen dritten Post gemacht, der meine LinkedIn-Expertise zeigt und andere Expertinnen und Experten ins Gespräch holte. Das erweiterte meine Reichweite zusätzlich.
Meine drei Learnings daraus:
- Einfach machen und Inhalte teilen, die zu deinen Zielen passen. Wofür willst du stehen?
- Kennzahlen sind wichtig, aber mach dich nicht zu schnell verrückt. Manche Posts brauchen ein bis zwei Wochen, bis sie deine gewünschte Reichweite sammeln.
- Pflege ein Netzwerk aus unterschiedlichen Expertinnen und Experten, und sei selbst jemand, den man schnell um eine Analyse bittet.
Ein technischer Fehler wurde so zum Content. Das ist für mich Creator-Positionierung: Ein Problem kann für andere zum Lerninhalt werden. Ich verstecke nicht, dass ich als LinkedIn-Experte irritiert sein kann und mir Hilfe hole.
Ganz wichtig: Ohne den Post zu Alexander Zverev wäre es vielleicht nicht zu dem Learning gekommen. Machen. Einfach machen.
Victor Haisch geht mit positivem Beispiel voran

Dass Good News sogar als Gesamtkonzept funktionieren, zeigt Victor Haisch von Razeco. Im Values-&-Ventures-Fokus-Gespräch erzählt er mir, dass er am 27. Dezember 2025 mit Social Media startete. Seitdem kam er auf über 300.000 Follower: knapp 170.000 auf Instagram, knapp 50.000 auf YouTube und etwas mehr auf TikTok. Sein Versprechen: jeden Tag eine positive Nachricht. Die Themen sind Nachhaltigkeit, Innovation und Tiere.
Er nennt zwei Beispiele. Das erste ist ein Startup, das mit Luftblasen Plastik aus Flüssen holt. Das zweite ist ein Hund in Polen, der Passanten einen Ball vom Balkon wirft. Das Video brachte insgesamt über 5 Millionen Aufrufe und rund 20.000 neue Follower. Das Feedback sei „brutal“ gut, die Leute freuten sich über die täglichen positiven Nachrichten.

Der Clou: Es geht nicht um das Thema, sondern um das Gefühl. Wer dabei bleibt und Victor folgt, fragt sich irgendwann, was Victor macht. Victor Haisch ist der CTO der nachhaltigen Rasiererfirma Razeco und nutzt nun seine Reichweite für Tierstationen und Kooperationen mit Greenpeace.
Und dann folgt von Victor Haisch auf das gängige Credo „Menschen folgen Menschen, nicht Unternehmen“ die trockene Feststellung: „Leute mit Community sind es, die zukünftig lenken. Creator sind es, die regieren“.
Fazit
Nicht jeder Beitrag muss empören. Positive News ohne Eigenwerbung können Reichweite erzeugen, wenn man drei Dinge beachtet:
- Relevanz: Wie stark kann die Neuigkeit mit der Zielgruppe resonieren?
- Verpacken: Unterschiedliche Plattformen verlangen unterschiedliche Formate. Auf LinkedIn reichen ein Screenshot und ein Text mit Haltung und persönlichem Bezug aus.
- Dranbleiben: Ein Muster aus mehreren Beispielen wirkt stärker als ein Einzelpost.
Ich fühle mich von meinem und von Victor Haischs Erfolg bestärkt. Die Welt wird etwas besser, wenn man positive Neuigkeiten verbreitet, statt nur mit toxischem Content gewinnen zu wollen. Dass dabei auch noch die Reichweite und der eigene Impact wachsen: Genial!
Probiere es aus.
Bis dann und bleib souverän.
Ben
Victor Haisch begeistert seine Community mit positiven Nachrichten.
Alle LinkedIn Posts:
- Deutschland holt nach 16 Jahren Einzelgold im Fechten
- Der Deutsche Alexander Zverev gewinnt die US Open, merkt es aber als Letzter im Stadion
- Kann LinkedIn sehen, wie viele Menschen vor einem Bildschirm stehen?
Vortrag: 50 Tipps in 20 Minuten für Video Creator

Für das VideoDays Festival am 29.10.2026 in Köln habe ich mir ein neues Vortrags-Format überlegt. Ich versuche, 50 Tipps zu Video-Content in 20 Minuten rauszuhauen. Vielleicht willst du eine bestimmte Frage beantwortet sehen. Dann stelle sie mir hier oder auf LinkedIn, und ich schaue, ob sie es in meine Top 50 schafft.
Meine heutigen Links
🤖 Digitale Souveränität: Gemeinnützige Organisationen berichten, dass Microsoft sie von jahrelangen Daten ausgesperrt hat (Proton)
🌅 BCG-Experte warnt: Wir killen unsere Solarindustrie ein zweites Mal (Handelsblatt)
You must fight for everyone
In order to get to what you needed
You spent time on nothing much
And the moral is you live and learn
Mein heutiger Song ist „Fight For Everyone“ von The Leisure Society. Ab jetzt in der Values & Ventures Playlist auf Spotify.
Eventkalender
📅 Kalender: Digitale Souveränität & Nachhaltigkeit
13.-14.04.2027 data:unplugged | Münster
📅 Kalender: Startups & Entrepreneurship
17.-18.10.2026 Entrepreneurship Summit 2026 | Berlin
📅 Kalender: Mixed
03.-05.05.2027 OMR Festival | Hamburg
📅 Wo du mich definitiv triffst:
29.10.2026 VideoDays Festival | Köln (Vortrag)
29.10.2026 VD Award | Köln
17.-18.02.2027 E-Commerce Berlin Expo 2027 | Berlin (Vortrag)
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