KI in Deutschland: Der Mittelstand hinkt 10 Jahre hinterher

Laut Michael Witzenleiter stehen deutsche Konzerne in der KI-Transformation rund vier Jahre hinter den USA, der Mittelstand ist nochmal etwa sechs Jahre hinterher.

KI in Deutschland: Der Mittelstand hinkt 10 Jahre hinterher

Ausgabe #21

  1. Was ich von KI-Experte Michael Witzenleiter über KI, Datenschutz und den Mittelstand gelernt habe
  2. Mein kommender Vortrag auf dem VideoDays Festival in Köln: „Mission Impossible? 50 Tipps in 20 Minuten für Video Creator“
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Auf Spotify, YouTube und Apple Podcasts findest du das vollständige Interview mit Michael Witzenleiter.

Was ich von KI-Experte Michael Witzenleiter über KI, Datenschutz und den Mittelstand gelernt habe

Michael Witzenleiter hat mit Conversion Maker schon Textgenerierung gebaut, bevor ChatGPT öffentlich war. Mit Pryvet gründete er eine Software-Company, die Unternehmen erlaubt, Sprachmodelle ohne Herausgabe von sensiblen Daten zu nutzen. Seit September 2026 ist er Geschäftsführer von Rinascai, das die Software-Lösung Pryvet und KI-Enablement durch die Schweizer OPCORE Partners AG zusammenführt. Der perfekte Moment, um mit ihm über KI im Unternehmen, Trainingsdaten und den Mittelstand zu sprechen.

Hier sind einige Erkenntnisse:

„Nicht für KI-Training genutzt“ heißt nicht „kein Risiko“

Wir stufen KI-Tools als sicher ein, weil unsere Interaktionen laut AGB nicht fürs Training von KI-Modellen genutzt werden. Michael hat diesen Trugschluss zerlegt.

Selbst wenn nichts antrainiert wird, legen viele Anbieter über Memory-Funktionen ein Persönlichkeitsprofil von dir an. Aus allem, was die KI aus deinen bisherigen Chats über dich weiß. Das wird standardmäßig auf den Servern des Anbieters gespeichert und bei jeder neuen Anfrage mitgesendet, damit die Antworten besser zu dir passen. Also schaue ab sofort nicht mehr nur auf Aussagen zur Trainingsnutzung, sondern auf Zweckbindung, Speicherung und Memory-Einstellungen.

Deine privaten Chats sind schlechter geschützt als Firmendaten

Im Business-Bereich lässt sich mit den meisten Anbietern das Training ausschließen, Zweckbindung vereinbaren und ein Data Processing Agreement nach DSGVO abschließen. Als Privatperson bekomme ich dieses Schutzniveau in der Regel nicht mal im bezahlten Abo. 👀

Gleichzeitig reden wir privat mit Chatbots über genau die Dinge, die uns am verletzlichsten machen: Gesundheit, Beziehungen, psychische Verfassung, Politik. Auf Social Media sind wir inzwischen vorsichtig, was wir öffentlich teilen. Dem Chatbot erzählen wir alles, ohne zu wissen, was damit passiert.

Ben Harmanus und Michael Witzenleiter im Values & Ventures Studio.
Ben Harmanus und Michael Witzenleiter im Values & Ventures Studio.

KI-Modelle: Der Unterschied zwischen Closed Source, Open Weight, Open Source

Lange Zeit habe ich nur Closed Source-Modelle aus der GPT-, Gemini- oder Claude-Serie genutzt. Open Weight oder Open Source sind aber inzwischen leistungsstarke Alternativen, darunter auch chinesische.

Das unterscheidet die drei Modell-Varianten:

  • Closed Source: Nur API-Zugang, kein Einblick in Modell, Gewichte oder Trainingsdaten. Eine Blackbox. Dazu gehören z. B. OpenAIs GPT-6, Googles Gemini 3.8 oder Claude Sonnet 5 von Anthropic.
  • Open Weight: Die trainierten Gewichte sind öffentlich, ich kann selbst hosten, fine-tunen und sie sogar kommerziell nutzen. Aber Trainingsdaten und Code bleiben verschlossen. Beispiele: das leistungsstarke Kimi K3 von Moonshot AI (China) oder Qwen 3 von Alibaba (China).
  • Open Source: Trainingsdaten und Gewichte sind transparent. Die Modelle sind kommerziell nutzbar. Beispiele: Mixtral 8x7B von Mistral (Frankreich) oder Apertus 1.5 (Schweiz).

Michael weist darauf hin, dass die Grenzen zwischen Closed und Open Source mit den Open Weight-Modellen verschwimmen. Für was auch immer man sich entscheidet, man sollte wissen:

Alle KI-Modelle haben einen Bias

Kein KI-Modell ist vollständig neutral. Jeder Anbieter filtert, auf welcher Basis Modelle trainiert werden. Das ist notwendig, denn z. B. ist der Anteil an pornografischen Inhalten im Web überproportional groß. Ein Filter ist daher immer auch ein Werteentscheid. Amerikanische Modelle tragen amerikanische Werte, chinesische logischerweise chinesische. Dass es in Europa so wenige große Modelle gibt, ist deshalb nicht nur ein Wettbewerbsproblem, sondern hinterlässt eine Lücke für KI, die europäische Werte reflektiert.

Nicht jede Automatisierung braucht KI

Kennst du das: Alles muss jetzt mit KI gelöst werden. Michael Witzenleiter zieht hier einen zitierwürdigen Vergleich:

Ich würde in meiner Buchhaltung vermutlich auch keinen Philosophen einstellen, der erst mal kritisch hinterfragt, was eine Rechnung ist.

Ein Rechnungsabgleich mit klar definierten Feldern ist ein Fall für regelbasierte Automatisierung, nicht für ein High-End-Sprachmodell, das jede Eingabe neu interpretiert.

Regelbasierte Automatisierung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn wir ein zu 100% sicheres Ergebnis wünschen. Automatisierung klingt nicht so fancy, sollte aber weiterhin eine Option bleiben.

Der Mittelstand hinkt bis zu zehn Jahre hinterher

Laut Michael Witzenleiter stehen deutsche Konzerne in der KI-Transformation rund vier Jahre hinter den USA, der Mittelstand ist nochmal etwa sechs Jahre hinterher. Im Worst Case sind wir bei einem Jahrzehnt Rückstand. 🐌

Der größte Blocker ist die Geschäftsführung. Brennt sie nicht für das Thema, dann sind die Herausforderungen nicht nur ein KI-Problem. Denn ist technologischer Fortschritt kein Prioritätsthema, kann der Digitalisierungsgrad insgesamt niedrig sein.

Ein weiterer Blocker ist Angst statt Optimismus. Angst kann zu (unbewusster) Sabotage führen: Wissen wird nicht eingebracht, Prozesse nicht präzise beschrieben. KI-Transformation ist daher ein IT- und ein Kulturprojekt. Ohne Change-Management-Erfahrung kann der Transformations-Versuch zum Rohrkrepierer werden.

Erst festlegen, was gemessen wird – dann bauen

„Wer vorher nicht weiß, welche Kennzahl sich bewegen soll, kann hinterher nicht sagen, ob die KI gewirkt hat.“. So simpel drückt es Michael Witzenleiter aus. Ein Credo aus seiner Zeit in der Conversion-Optimierung. Ohne Ziel-KPI ist jedes Ergebnis beliebig.

Rückversichere dich, dass es bei deiner KI-Nutzung übergeordnete Ziele und KPIs gibt. So können erfolgreiche Initiativen zu mehr Support und Budgets führen.

Mein Fazit

KI-Implementierung ist ein umfangreiches Thema, das alle im Unternehmen verstehen und mitgehen müssen. Dabei sind KI-Expert:innen dringend notwendig, um KI sinnvoll und sicher einzusetzen. Sind diese intern nicht vorhanden, sollte ein externes Team hinzugezogen werden. Nicht immer muss alles mit KI gelöst werden. Regelbasierte Automatisierung ist in vielen Fällen nicht nur einfacher, sondern sicherer. Kommt KI zum Einsatz, dann sollte man bei den Modellen in alle Richtungen blicken: USA, China, Europa? Open Source, Closed Source, Open Weight? Mit welchen Daten will man arbeiten? Welche Kosten entstehen? Wie sicher ist der Betrieb, was Datenschutz und Abhängigkeit angeht?

Digitale Souveränität bedeutet, diese Zusammenhänge zu verstehen, auf individueller und Unternehmensebene.

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Mission Impossible? 50 Tipps in 20 Minuten für Video Creator

Ben Harmanus on stage at VideoDays Festival 2026.

Für das VideoDays Festival in Köln habe ich mir ein neues Vortrags-Format überlegt. Ich versuche, 50 Tipps zu Video-Content in 20 Minuten rauszuhauen. In meinem Übermut plane ich sogar ein paar Bonus-Tipps ein. 😄

Ich produziere Videos seit über 25 Jahren. Brutal: Ich habe sogar mit analogen Kameras gearbeitet und DVDs mit Extremsportvideos verkauft. Die Tapes liegen in einer Kiste im Keller. 📹

Video hatte in meinem Leben immer einen festen Platz, z. B. in:

  • 6 Jahren B2B-Medienproduktion für HubSpot: Podcast, YouTube, virtuelle Konferenzen, Social Media, Produkt-Tutorials
  • über 200 Episoden für einen erfolgreichen Minecraft-Podcast
  • meiner Video-first-Show Values & Ventures
  • Social Media, beispielsweise auf LinkedIn

    Und jetzt packe ich die besten Tipps für Video-Content in meine Session auf dem VideoDays Festival am 29.10.2026 in Köln. Zum Beispiel, wie du Absprungraten von veröffentlichten Videos mit einfachen Tricks verringerst oder mehr Budget für deine YouTube-Videos bekommst. 😎

    Jetzt kommst du ins Spiel. Vielleicht willst du eine bestimmte Frage beantwortet sehen. Dann stelle sie mir hier oder auf LinkedIn, und ich schaue, ob sie es in meine Top 50 schafft.

🤖 KI-Experte Jakob Uszkoreit: „Vor KI, die die Menschheit auslöscht, habe ich wirklich gar keine Angst“ (WiWo)
📻 Mein Besuch des Podcast-Launches von „Out of Office“ mit Emma-Isadora Hagen und Swantje Allmers (LinkedIn)

🎧
Down, but not defeated
Back on your feet you feel the heat

Mein heutiger Song ist „Heavy Lipstick“ von Johann Sebastian Bass. Ab jetzt in der Values & Ventures Playlist auf Spotify.

Eventkalender

📅 Kalender: Digitale Souveränität & Nachhaltigkeit
13.-14.04.2027 data:unplugged | Münster

📅 Kalender: Startups & Entrepreneurship
28.-30.09.2026 Bits & Pretzels | München
17.-18.10.2026 Entrepreneurship Summit 2026 | Berlin

📅 Kalender: Mixed
03.-05.05.2027 OMR Festival | Hamburg

📅 Wo ihr mich definitiv trefft:
29.10.2026 VideoDays Festival | Köln (Vortrag)
29.10.2026 VD Award | Köln
17.-18.02.2027 E-Commerce Berlin Expo 2027 | Berlin (Vortrag)

Fehlt ein wichtiges Event? Lass es mich wissen.

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Values & Ventures ist ein Projekt von Spreedia. Der Podcast mit Ben Harmanus ist gestartet. Wenn dir dieser Newsletter gefällt, teile ihn mit Menschen, denen er nutzt.